Sarma

Wusstet ihr, dass es bei uns Ex-Jugoslawen eine fixe Menüfolge gibt? Und zwar egal, was der Anlass der Festivität ist? Egal, ob man nun bei einer Hochzeit vor Freunde weint oder bei einer Beerdigung vor Trauer weint, das Menü bleibt gleich.  Klingt komisch, nicht wahr? Aber so ist es, und soweit ich weiß, unterscheidet man da auch nicht bei den verschiedenen Staaten Ex-Jugoslawiens.

Man isst traditionell als ersten Gang eine kalte Platte, das bedeutet Rohschinken, verschiedene Käsearten, Speck, eingelegtes Gemüse und Brot werden gemütlich beim Essen und zum Schnaps gegessen, das nennt man dann meza.

Als zweiten Gang serviert man dann, wenn man möchte, einen dünnen Eintopf aus Kalbfleisch, Čorba, oder aber auch ein Gulasch. Das ist aber ist nicht immer der Fall- wie man eben möchte. Als meine Schwester 2001 geheiratet hat, war das der Fall, das ist dann eben das eher ausgedehnte Menü.

Nun, als Drittes, wird eben Sarma serviert. Sarma sind eigentlch nichts Anderes, als Krautroladen aus Sauerkraut, wobei dei Füllung aus faschiertem Fleisch, Reis und wenigen Gewürzen besteht. Das Ganze schwimmt dann in einer etwas dickeren, tomatisierten Sauce.

DSCN0849-001

Als Krönung (wenn man denn noch überhaupt atmen kann, weil das ist echt nicht sicher. Meistens hat man sich schon so mit den ganzen anderen Leckereien übergegessen, dass man nur noch platzen will…allerdings hilft da ein Schnapserl Wunder), kommt dann das pečenje. Das ist entweder ein Spanferkel, oder ein Lamm vom Spieß. Beides ist großartig und es gibt für mich fast kein besseres Gericht auf der Welt. Nächste Woche, zum ersten Mai, fahren der Herr Anton und ich in meine alte Heimat, weil meine Eltern und meine Schwester samt Familie auch dort sein werden. Dort werden wir, nach 22 Jahren wieder als Familie gemeinsam einen Feiertag verbringen. Leute, ich sag‘ es euch, ich freue mich schon so sehr! 🙂

So, genug geredet, jetzt mein Rezept für Sarma:

  • Sarmakraut (hier in Wien bekommt man es am ehesten beim Zielpunkt, und zwar immer in 1300g-Packungen, deswegen ist mein Rezept genau dafür ausgelegt.)
  • 1kg Faschiertes (Hackfleisch), ob man gemischtes oder reines Rind nimmt, hängt von den persönlichen Vorlieben ab.
  • 400g Reis (Langkorn, auch Basmati geht)
  • 3 Karotten
  • 1 ganze Knolle Knoblauch
  • 6 mittelgroße Zwiebeln
  • eine Tube Tomatenmark
  • 2 EL Papriakpulver, edelsüß
  • etwa ein Kilogramm geselchte Ripperln, gerne auch mehr.
  • etwas Öl
  • Gemüsebrühenpulver, traditionell Vegeta, ich nehme aber dieses hier, weil es keinen Zucker oder Geschmacksverstärker enthält
  • Pfeffer, gemahlen
  • Pfefferkörner
  • Lorbeerblätter
  • Wachholderbeeren

Die einzelnen Blätter des Krautes vom Strunk abschneiden, sowie einzeln waschen. In ein Sieb legen.

Für die Fülle schält und reibt man die Karotten, presst 10 (ja, echt, ZEHN) Knoblauchzehen klein und schneidet drei Zwiebeln in kleinste Stücke. Das alles vermengt man nun mit dem Reis, dem Fleisch, etwas von dem Brühenpulver, etwas gemahlenem Pfeffer und etwas Salz. Die jugoslawische Küche ist leider ein Augenmaß-Ding, allerdings empfehle ich, eher weniger zu würzen, damit man dann die Sauce gegebenenfalls entsprechend anpassen kann.

Nun teilt man große Blätter in die entsprechende Größe. Man kann natürlich auch große Sarmas machen, allerdings sagt man bei uns, dass kleine Sarmas, also Sarmice, besonders süß (gut) sind, und ich finde, das stimmt auch. Bei größeren Blättern ist der Strunk eher dick, den am Besten etwas flacher schneiden.

DSCN0814-002

Die Blätter gut ausdrücken und auf einen Stapel legen.

DSCN0809-003

Bevor man allerdings anfängt, sollte man den Saucenansatz machen:  dazu die restlichen Zwiebeln mit dem restlichen Knoblauch fein hacken, und in etwas Öl in einem großen Topf auf kleiner Flamme anrösten. Den Paprika und das Tomatenmark hinzugeben und nur ganz kurz mitrösten, am besten hat man schon ein Glas Wasser zum Ablöschen zur Hand, da nämlich der Paprika bitter wird, wenn man ihn zu lange anröstet. Mit etwas Wasser angießen und auf kleiner Flamme köcheln lassen.

Anleitung zum Sarmadrehen:

Hier ist die Anleitung, wie man eine Sarma drehen sollte. Natürlich ist das Ganze auch eine Übungsache, das heißt, wenn euch beim ersten Mal ein paar aufgehen, ist es kein Drama. Man darf auch nicht zu fest wickeln, da der Reis ja beim Kochen auch nochmal aufquillt.

Man nimmt etwas von der Fülle, macht daraus eine kleine Wurst und gibt sie auf das untere Ende des Blattes. Sollte man ein dreieckiges Blatt haben, ist untere Seite die Spitze.

DSCN0808-002

Das Blatt einrollen.

DSCN0810-001

Nun mit dem Finger die überstehenden Reste vorsichtig in die Rolle drücken. Hierbei ist es wirklich wichtig, mit Gefühl zu arbeiten.

DSCN0811-001

Bei der anderen Seite wiederholt man das, somit benötigt man keinerlei Rouladennadeln.

DSCN0813-001

Nun die Sarmas rollen, und auf einem Teller schlichten. Und ja, das dauert. Das tut es echt. aber haltet durch, die Kleinen sind einfach die besten!

Die Ripperln, wenn man mag, in kleinere Stücke schneiden. Die Ripperln mit den Sarmas und den Gewürzen vorsichtig in die köchelnde Tomatensauce geben.

Unglaublich, man hat es im Grunde geschafft: Nun einfach ein paar Stunden (ich schrieb ja, alles Gefühlsangaben) köcheln lassen. Ich empfehle, einfach immer wieder mal eine zu kosten. Schadet nicht 😉

Ganz wichtig ist aber: auf der kleinsten Flamme kochen, die ihr zur Verfügung habt. Wenn die Sarma von unten verbrennt, schmeckt die ganze Sauce verbrannt und man kann im Grunde den ganzen Topf wegschmeißen. Auch wenn es hart klingt: wirklich, wirklich geduldig sein…oder wollt ihr etwa nochmal drehen?

Zum Schluss nochmal mit Salz und Pfeffer abschmecken. Dazu passt super Kartoffelpüree oder aber auch Salzkartoffeln oder ganz puristisch: ein Stückchen Baguette zum Saucenauftunken.

Gutes Gelingen, ihr Lieben! ❤

Leni

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s